Schottland
 
Schottland - Reisetagebuch

7. Tag - etwas mehr Ruhe...


Als mich die Jungs 9.30 Uhr wecken, bauen sie bereits das Zelt über mir ab, und ich kriege kaum

die Augen auf. Diese Mittsommernachts-Party hat doch ganz schön eingeschlagen (gut dass ich keinen Spiegel dabeihabe)... Aber nochmal rumdrehen is nich, 10.15 Uhr fährt der Bus zurück zur Fähre. Ich verabschiede mich noch von ein paar netten Menschen, und dann gehen wir zum Bushäuschen. Die erste Zigarette schmeckt teuflisch.


Die Busfahrt und die Fähre zurück nach Skye verschlafen wir fast komplett, außer dass ich unbedingt einen Kaffe und was warmes zu essen zu mir nehmen muss.

Highlandrinder haben Vorfahrt!Im Schlepptau haben wir jetzt noch Patrick, den Franzosen. Er will mit Jeff und Labros nach Duntulm Castle, wo er im gleichnamigen Hotel jobbt und in einem Wohnwagen lebt.

Da die drei noch nicht wissen, wie sie da hin kommen, nehme ich sie in dem kleinen Ford KA mit. Tüchtig eng, da jeder von uns einen riesigen Rucksack dabei hat, aber es geht irgendwie. Für ein echtes Hochlandrind machen wir eine kleine Zwangspause mitten auf der Straße.

Dankbar nehme ich bei Patrick noch nen Kaffe zu mir und staune wiedermal, wie verschieden die Menschen doch sind. Nach einer Stunde Schwatz raffe ich mich endlich zur Weiterfahrt auf - Goodbye Skye, ich komme wieder!


Zurück in den Northern Highlands fahre ich durch das herrliche "Glenelg"-Gebiet und stöbere wissensdurstig in den mittelalterlichen Festungen "Dun Telve" und "Dun Troddan" herum. Die beiden liegen nur ein paar Meter voneinander entfernt und weisen sehr interessante, ähnliche Bauweisen auf. Wenn ich mir so überlege, dass damals kein Mörtel oder ähnliches verwendet wurde, ist das schon recht beeindruckend. Eine Kunst für sich, die Steine in Größe und Form so miteinander zu verbauen, dass es (fast) ewig hält... das sollte heute mal einer nachmachen!

Dun Telve - Blick von der Seite auf die übriggebliebene Burgmauer Dun Telve - Blick in den Innenhof Dun Telve - ein Stück Außenmauer mit Treppe und einer Vorratskammer
Dun Telve - Kammer und Gang in der Außenmauer

"Dun Telve" steht direkt an der Straße und hat noch gut erhaltene Gänge, Treppen und Kammern. Es ist das zweitbest erhaltene Broch in Schottland und wird datiert auf ca. den Beginn unserer Zeitrechnung.
Das höchste noch stehende Mauerteil misst immerhin noch 10,1 m. 5 Etagen sind noch in der Wand sichtbar. Die vertikalen Lücken dienten sicher zum Lüften und als Fenster.
Bei den Ausgrabungen 1914 fand man u.a. einige Steinlampen und Spindeln.

Dun Telve - Eingang zum Innenhof

"Dun Troddan" auf einem kleinen Hügel 500 m weiter wird auf etwa das selbe Baudatum geschätzt. 3 Etagen und eine Höhe von 7,6 m sind hier noch erkennbar.
Im Zentrum des Brochs entdeckte man eine herdähnliche Kochstelle und einen Kreis mit Löchern für Holzpfosten.

Dun Troddan - einst eine stattliche Burg

Mit großer Wahrscheinlichkeit geht man deshalb davon aus, dass noch ein rundes Holzgebäude oder -überdachung auf Pfosten hier gestanden hat.

Dun Troddan - Vertikaler Blick auf die Außenmauer - einzelne Etagen sind gut zu erkennen Dun Troddan - Horizontale Deckensteine zwischen den Etagen Dun Troddan - ein schmaler Gang in der Mauer Dun Troddan - Kammer links neben dem Eingang

Gut zu erkennen sind die schichtförmig übereinandergelegten Steinplatten, die zum Überspannen größerer Bereiche genutzt wurden. Im Bild rechts eine kleine Kammer neben dem Eingang zum Broch.

Dun Troddan Dun Troddan Kleiner namenloser Steinkreis zwischen Dun Telve und Dun Troddan

In der Mitte zwischen beiden Brochs entdecke ich noch einen "Mini-Steinkreis".


Glenelg Scenic View - Blick auf die Berggruppe Five Sisters

Die Rückfahrt den "Glenelg Scenic View" entlang offenbart tolle Ausblicke, z.B. auf die Berggruppe "Five Sisters" im Nebel.

Glenelg Scenic View Glenelg Scenic View - Blick auf die Berggruppe Five Sisters Glenelg Scenic View

Nachdem ich nun fast 9 Stunden gefahren bin, habe ich es heute schwer, ein Plätzchen für mein Zelt zu finden. Ich will in der Nähe von Ben Nevis sein, den ich mir für morgen vornehme - gutes Wetter vorausgesetzt. Unmittelbar neben "Inverlochy Castle" streiche ich schließlich die Segel und baue das Zelt auf; natürlich ist noch so viel Kraft da um ein paar nächtliche Blicke auf die Burg aus dem Mittelalter (um ca. 1280) zu werfen (deren wahre Schönheit ich aber erst am nächsten Morgen erkennen kann)....

Inverlochy Castle - Eingangstor Inverlochy Castle - im Innenhof Inverlochy Castle - im Innenhof

...bevor ich mich um Mitternacht völlig down in meinen Schlafsack einmummle.  


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