6. Tag - Sonnenwende im Steinkreis
Die Übernachtung war himmlisch ruhig und ich bin gut ausgeschlafen. Die letzten Zweifel sind verflogen und ich nehme den Tag in Angriff, so wie ich es gestern abend geplant hatte. Heute ist Sommersonnenwende...
Ich starte auf eine Erkundungsfahrt ins Blaue durch Skye, bevor ich zur Fähre fahre, komme dabei durch herrliche Wandergebiete, wo das Grün noch mehr grün ist, die Bergkuppen in den Wolken stecken, und ich an jeder Ecke anhalten möchte, um zu genießen und zu fotografieren. Den ganzen Vormittag kann ich mir dafür Zeit nehmen.
Um 12 Uhr komme ich im Fährhafen Uig an, wo ich die wichtigsten Dinge für eine Überfahrt und Übernachtung ohne PKW in meinen großen Rucksack packe; das Zelt bleibt da, weil es nicht mit reinpasst und ich noch nicht weiß, wie ich von Tarbert auf Lewis nach Callanish komme. Irgendeine Höhle wird sich schon für mich finden...
Noch ein Guinness im Hafenpub, wo ich 2 nette Jungs treffe, Jeff und Labros. Sie haben das selbe Ziel wie ich, und so tun wir uns für die Überfahrt zusammen und haben genug zu erzählen.
Auf See ist es recht windig, und der Maschinenraum schockt uns mit einem kurzen Stromausfall (natürlich mitten während eines WC-Besuches), was aber keine ernsteren Folgen hat. In Tarbert finden wir einen Linienbus, der uns mit 1x Umsteigen (Zeit zum Besorgen einer Flasche Glenfiddich) zu den Stones of Callanish bringt.
Es regnet in Strömen, und ich denke so langsam, dass es doch keine gute Idee war, das Zelt im Auto zu lassen... dafür habe ich wenigstens mein Regencape dabei. Als wir ankommen ist es so gegen 17 Uhr.
Da sind sie ja - groß und schön präsentieren sich die "Standing Stones of Callanish", das beste was ich bisher in dieser Richtung sah. Aber erstmal bauen die Jungs ihr Zelt auf - und fragen mich wo meines ist... Äh, naja, ich such mir ne Höhle... Sie meinen ganz unbefangen dass ich mit bei ihnen im Zelt bleiben kann. Gut, ich danke, erstmal hab ich nen trocknen Platz wo ich meine Sachen (und mich) unterstellen kann.
Außer uns sind schon ein paar andere Gruppen da, etwa 10 Zelte mit Leuten aus unterschiedlichsten Ländern. Als Jeff seine Klampfe rausholt lässt Labros nicht lange auf sich warten und spielt ein bisschen die Fiddle dazu, prima, jetzt wird's gemütlich. Irgendwann sitzen in diesem 3-Mann-Zelt auf einmal etwa 10 Leute, manche schon sehr angeheitert. Ich fange an, die nasse Kälte zu ignorieren, sicher auch dank der inneren Wärmung durch den Whisky... und auch ein paar Songs zur Klampfe zum besten zu geben.
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Als der Regen zwischendurch etwas nachlässt, beschaue ich mir die Steine erstmal genauer. Ein richtiges Meisterstück haben sie hier hingekriegt, um ca. 1800 BC.
Der Steinkreis aus 13 schlanken Steinen hat ein Ausmaß von 13,1 m x 11,3 m. In seiner Mitte befindet sich neben dem Überrest einer kleinen Steinkammer ein weiterer stehender Stein, mit 4,75 m der höchste von allen. Außerdem gehen vom Kreis 4 "Avenues" ab, von Steinen alleeartig gestaltete Wege, so dass die Konstruktion in der Draufsicht die Darstellung eines keltischen Kreuzes ergibt. Das Ganze ist exakt nach astronomischen Standpunkten ausgerichtet. Wer dazu näheres erfahren will, sollte bei www.stonesofwonder.com reinschauen.
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Am Abend hat sich die ganze Gemeinschaft in einer schönen großen Kule bei den Schotten vor unserem Nachbarzelt eingefunden. Sie haben ein nettes Feuer gemacht, was zwischendurch auch immermal etwas Torf abbekommt (wonach meine Klamotten am nächsten Tag entsprechend riechen).
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Viele spielen Instrumente, ein Schotte bringt zu fortgeschrittener Stunde seinen Dudelsack an und spielt, wie ich es in meinen kühnsten Träumen nicht gehofft hätte. Ein anderer schlägt die keltische Handtrommel. Noch später zieht sich der Piper obendrein seinen Kilt dazu an - was für ein Spektakel!
Getrunken und gegessen wird von jedem und von allem, alles macht die Runde, auch gewisse Glimmstengel ()... Trotzdem es "nur" etwa 40 Leute sind, ist es echt international: Schotten, Engländer, Griechen, Franzosen, Italiener und außer mir noch ein Deutscher. Einige sind nicht zum erstenmal hier. Ich sicher nicht zum letzten Mal.
Der Mond zeigt sich leider nicht über dem Steinkreis, obwohl mal etwas weniger, regnet es doch die ganze Nacht durch, bis gegen 4 Uhr morgens. Dann wartet der Rest der "Überlebenden", etwa 10 Leute, auf den Sonnenaufgang.
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Wir sind gespannt ob ihn der trübe Himmel durchschauen lässt - und tatsächlich, der Himmel reißt plötzlich auf und wir dürfen ihn erleben! Die Steine werfen zunehmende lange Schatten über die lange Avenue, es ist ein Schauspiel, wie die Steine aus Lewisianischem Gneiss golden in der Morgensonne strahlen.
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Nun kann ich beruhigt noch ein paar Stündchen schlafen! Labros und Jeff haben mir Platz in der Mitte gelassen, wie höflich. Ich bin jetzt doch froh, nicht in einer kalten nassen Höhle nächtigen zu müssen.
Mit einem herrlich zufriedenen Gefühl und nassen Socken, völlig übermüdet und kaputt, schlafe ich gegen 8 sofort ein.
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