Um 6.30 Uhr stelle ich erfreut fest, dass ich wesentlich besser und weicher ob des hohen Grases geschlafen habe als bisher. Die Sonnen lugt mit ihren ersten Strahlen hervor. Diese Tierchen im Moor machen fleißig weiter ihr Gepiepse wie seit gestern abend.
Start zum "Culloden Battlefield" gleich um die Ecke. Hier verloren die Schotten die letzte große Schlacht um die Krone am 16. April 1746.
Das Touri-Center hat noch geschlossen, öffnet erst 10 Uhr. Gut, ich komme auch ohne so ne blöde Eintrittskarte auf das Gelände des Schlachtfeldes, die Türen im Zaun sind nicht verschlossen. In himmlischer Ruhe laufe ich unter leisem Nieselregen das Gelände ab, ich ganz allein, niemand sonst hier. Die beste Voraussetzung dafür, die Gegebenheiten so in mich aufzunehmen wie sie sind, und Eindrücke ohne Störungen wirken zu lassen.
In meinem Kopf trage ich die Fragmente zusammen, die ich über die berühmteste aller Highland-Schlachten gesammelt habe, lese alle wichtigen Schilder und Beschreibungen, runde mir mein Bild ab, verweile lange und traurig an den Gräbern...
Dass Schottland noch heute unter britischer Flagge steht und für viele Schotten die Engländer ein rotes Tuch sind, kann ich emotional durchaus nachvollziehen. Nichtsdestotrotz hatte der gute Bonnie Prince Charlie wohl selbst ein wenig schuld an dem tragischen Ausgang der Schlacht und dessen Folgen für die weitere Geschichte...
Für Details über die Schlacht habe ich wichtige und hochinteressante Original-Texte (deutschsprachig) aus der Broschüre "Culloden" übernommen, die hier abrufbar sind
=> Die Schlacht von Culloden - Hintergründe und Details
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Das Abschreiten des Schlachtfeldes kann eine ganze Weile dauern, je nachdem wie intensiv man sich alle Erläuterungstafeln und Einzelheiten ansieht. Detailliert sind die Standorte jedes einzelnen Regimentes gekennzeichnet. Heute freuen sich kleine schwarze Ziegen hier ihres Daseins.
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Die Gräber der einzelnen Clans (=> Die Schlacht von Culloden - Hintergründe und Details). Der alte Glaube, dass überall in Schottland "Heather" (Heidekraut) wächst - nur nicht auf Gräbern - bestätigt sich hier voll und ganz. Empfindungen an dieser Stelle wiederzugeben, gelingt mir nicht so recht, man muss wohl selbst dort gewesen sein...
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Ein Gedenksteinhügel - 6m hoch - wurde 1881 auf dem Schlachtfeld errichtet (=> Die Schlacht von Culloden - Hintergründe und Details)
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Bild links und Mitte zeigen das Old Leanach Cottage, innen als historisches Armeelazarett eingerichtet (=> Die Schlacht von Culloden - Hintergründe und Details)
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Bild links zeigt eine Tafel mit der Übersicht über die Schlachtaufstellung beider Seiten. Im Vistor Center sind dann ein Gemälde über die Schlacht und viele Waffen zu besichtigen. Auch einen ausführlichen Film sehe ich mir noch an, was ich nicht bereue. Er glänzt mit wichtigen Zusatzinformationen und Details.
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Als ich das inzwischen menschenüberfüllte Gelände verlasse, ist auf dem riesigen Parkplatz keine einzige Nische mehr frei! Busse mit Reisegruppen halten im 5-Minuten-Takt vor dem Eingang. Ich hole mir erstmal einen Becher (fast) heißes Wasser aus dem Besuchercenter, mache mir einen "Löslichen" zurecht, schmunzle über den Rummel - und bin überglücklich, so zeitig am Morgen da gewesen zu sein...
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Die nächsten kurzen Zwischenstopps bieten sich in Inverness und dann in Beauly an, wo ich ein paar Kleinigkeiten kaufe und an schönem keltischen Schmuck nicht vorbeikomme.
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Weiter geht es nach Drumnadrochit, wo sich der jetzt sonnige Tag im herrlichsten Gelb des Ginsters vor den Bergen wiederspiegelt.
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Am Loch Ness angekommen, besuche ich das "Urquhart Castle", bleibe diesmal allerdings nicht von einer riesigen Touristenansammlung verschont. Sicherlich wollen sie "Nessie" sehn...
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Als ich zu spät merke, dass ich mich auf dem falschen Weg zu Steinkreis von Corrymony befinde, beschließe ich eine Planänderung. Nach Skye ist es inzwischen gar nicht mehr so weit....
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...und wahrlich, auf der Straße nach Skye durch das "Glen Shiel" habe ich meinen Steinkreis glatt vergessen. Noch so ein "Seelenheil" ist mir vergönnt - mich überraschen nach jeder Kurve neue prächtige Anblicke, einer schöner als der andere: Berge, Wasserfälle, grün wohin das Auge reicht, die Nachmittagssonne im Gegenlicht über einem See - traumhaft!
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Ich komme an die Brücke, die zur Insel Skye hinüberführt, zahle 5,70 Pfund damit ich sie benutzen darf, und frage mich schon, was Inga für Augen macht, wenn ich vor ihrer Tür stehe.
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Inga (eine Deutsche, die nach Skye gezogen ist) wohnt gleich "am Anfang" der Insel in Broadford. Ich habe sie im Chat kennengelernt und ihr versprochen, dass ich sie besuchen werde, wenn ich in Schottland bin. Bald finde ich sie auch und klingel an ihrer Türe.
Na, da hat sie wohl ein bissel gestaunt, dass ich mein Versprechen gehalten habe ;-) Wie auch immer - sie freut sich und wir erzählen erstmal ne ganze Menge. Plötzlich ist das recht ungewohnt für mich, nachdem ich bereits den 4. Tag so für mich durch die Gegend fahre und nicht sehr viel mit jemandem gesprochen habe.
Ich kann endlich mal mein Handy aufladen und gehe mit Inga noch in einen Pub. Dort läuft gerade auf einem Riesen-Fernseher die Fußball-WM, und zur Feier des Tages gibt es kostenlos so ne Art Bohnensuppe für alle. Man, das kommt gerade recht, ich merke erst jetzt wie ausgehungert ich eigentlich bin!
Heute dürfen es dann auch mal 2 Guinness mehr sein (schmeckt erstmal richtig aus dem Pint) und auch ein paar Whisky. Und danach darf ich dann heute auch mal auf nem Sofa schlafen - prima Tagesausklang!