Schottland
 
Schottland - Reisetagebuch

3. Tag -Traditionelles & Whisky


Ohne Luftmatratze war es schon ein bisschen hart im Zelt, aber ich habe tausendmal besser geschlafen als im Ford ;-) Gegen 8 Uhr nehme ich das gute Wetter in mich auf - Sonne und eine leichte Brise. Zunächst soll es heute nach Inverness gehn.


Die alten Herren lassen sich's beim Frühschoppen gut gehn....In Keith lasse ich mich vom Schild "Tartan Museum" zu einem ersten Abstecher in diese nette kleine Stadt verleiten - ungeplante Dinge sind wichtig für eine Reise wie diese...
Ah, da ist schon eine Kneipe offen, auch gut, ein ordentliches WC hat was, und ein großer Pott Kaffee auch (wovon man in Schottland allerdings nicht allzuviel erwarten sollte). Das Kännchen Kaffee ist eine große Kanne mit ca 1 Liter... Zwei alte Schotten, so um die 70, sind sehr nett und fangen ein Gespräch an. Sie bestellen abwechselnd Bier und Whisky - morgens um 10. Freundlich dankend muss ich mehrmals die Einladung zu einem Whisky ablehnen, der Tag hat erst begonnen und ich noch viel vor.

Das Tartan Museum ist wundervoll - zumindest für Leute die sich ein bisschen für die schottischen Clans und ihre Geschichte interessieren. Man erfährt, dass ein Tartan nicht dasselbe ist wie ein Kilt, sondern das bestimmte karierte Stoffmuster eines Clans, woraus Kilts und Plaids usw. gemacht werden, und dass Unmengen von diesem Stoff zum Einsatz kommen, um den echten Faltenwurf eines Kilts entstehen zu lassen. Noch heute haben die meisten Schotten ihre eigenen Muster. Es ist fast nicht zu glauben, wieviele Abwandlungen ein Karomuster haben kann - in diesem Museum wird man eines besseren belehrt!

Leider versagt nun hier die Batterie meines Fotoapparates, dennoch kann ich ein nettes Andenken mitnehmen: Die Lady bietet mir an, kostenlos ein paar Tartan-Muster aus einem Korb auszusuchen - "as much as you like". Echte Leckerbissen finde ich darunter. Dazu hat sie auch entsprechende Erklärungen parat. Hier eine kleine Auswahl:

Black Stewart  Churchill  Ferguson  Glasgow Rangers (Fußballmannschaft) Mc Lachlan

MacLaren (die Vorfahren des Rennfahrers) McIntosh  Murray of Atholl  Red Fraser


Die nächste Station soll Dufftown sein. Die Destillery meiner Lieblingsmarke "Glenfiddich" kann ich mir unmöglich entgehen lassen.

Die Führung wird in mehreren Sprachen angeboten, aber nicht nur über Kopfhörer, sondern mit einem der jeweiligen Sprache mächtigen Schotten (im Kilt). Mit mir sind noch 2 Deutsche, und unser junger Freund ist sehr aufgeregt, weil es seine erste Führung ist. Aber er macht seine Sache gut... 

Eingang zur Glenfiddich Destillery Glenfiddich Destillery - Ahnentafel des Gründers William Grant im Museum

 
Glenfiddich ist ein Familienbetrieb seit über 100 Jahren. Die Leute hatten 9 Kinder, kaum zu glauben, dass man da noch Zeit hat Whisky zu brennen... Noch heute wird in traditioneller Art gebrannt - obgleich es heute zeitsparendere Verfahren gibt, lässt man sich das hier nicht nehmen. In geraffter Form sieht das ganze etwa so aus:
 

Glenfiddich Destillery - So wird Whisky gemacht... Glenfiddich Destillery - So wird Whisky gemacht... Glenfiddich Destillery - So wird Whisky gemacht...

 
Nachdem das Getreide über Torffeuer getrocknet und gemahlen ist, entsteht die "süße Würze", diese wird mit Hefe versetzt und abgekühlt, danach in den großen polierten Kesseln destilliert (mit Hitzezufuhr von unten). Nach nochmaligem Destilliervorgang bleibt "das Herz" übrig, die Schotten sagen "der Kopf ist zu stark und der Schwanz ist zu schwach..."
 

Glenfiddich Destillery - So wird Whisky gemacht... Glenfiddich Destillery - So wird Whisky gemacht... Glenfiddich Destillery - So wird Whisky gemacht...

 
In großen Bourbon- und Cherry-Fässern reift er dann im Normalfall (aber mindestens) 12 Jahre, danach werden beide Sorten vermischt. Wasser wird aus eigener Bergquelle dazugegeben, das ganze abgefüllt - und man hat den echten "Glenfiddich"!
 

Glenfiddich Destillery - So wird Whisky gemacht... Glenfiddich Destillery - hier reift der Whisky in großen Fässern Glenfiddich Destillery - die Abfüllstation

 
Die Führung wird mit einem kostenlosen (sehr leckeren) Probe-Schluck im als Museum hergerichteten Wohnraum der Gründer-Familie abgeschlossen. Anschließend kann man noch das eine oder andere Mitbringsel im Glenfiddich-Shop kaufen, z.B. einen guten 21jährigen für 99 Pfund - ein stolzer Preis...
 

Glenfiddich Destillery -  das Wohngebäude des Gründers William Grant Glenfiddich Destillery - unser Führer im echten Schottenrock... Glenfiddich Destillery

Impressionen auf Balvenie Castle

Nach diesem schönen Vormittag ruft gleich gegenüber die Burgruine "Balvenie Castle" aus dem 13. Jhdt. Dort hänge ich ein bisschen meinen Gedanken nach, finde Ruhe, viel Phantasie für das Leben im Mittelalter und tolle Motive für meine Linse.

Impressionen auf Balvenie Castle
Balvenie Castle Balvenie Castle - ein ehemaliger Lagerraum Balvenie Castle

Inzwischen ist es 16 Uhr, nun aber auf nach Aviemore. Auf dem Weg dorthin schöne Aussichten und direkt neben der Straße die Reste (irgend)eines Steinkreises (scharfe Bremsung und ein Stück rückwärts...), nur 3 Steine sind von ihm übriggeblieben.

Berglandschaft auf dem Weg nach Aviemore ...irgendein namenloser Steinkreis neben der Straße....
River Spey River Spey

River Spey macht imposante Bogen kurz vor der nach ihm benannten Stadt Granton on Spey - und auch ein Stück danach.


Aviemore Stonecircle

In Aviemore, einem deutlich touristisch gekennzeichneten Städtchen, suche ich den "Aviemore Stonecircle".
Er liegt mitten in einem Wohngebiet und ist eigentlich sehr schön - nur schade, dass vor diesem Hintergrund das mysthische Feeling zu kurz kommt.

Aviemore Stonecircle

Der letzte Höhepunkt des Tages ist ein sehr beeindruckender - "Balnuaran of Clava". 3 Cairns, von denen die beiden äußeren einen Zugang zur Mitte besitzen, alle umgeben mit einem Ring aus Steinen. Deutliche Cup Marks sind an einigen Steinen zu finden, Überreste von Knochen und Feuerstein wurden bei Ausgrabungen zutage gefördert.
Von wenigen verfügbaren Beweisen ausgehend, glauben die Wissenschaftler daran, dass dies keine allgemeine Zeremonie- und Beerdigungsstätte war, sondern für einen ausgewählten Personenkreis. Die Ausrichtung der Anlage zur untergehenden Mittwintersonne legt wohl außerdem die Vermutung einer teilweise astronomischen Nutzung nahe.
Auch hier entdecke ich wieder einen quer gespaltenen Stein. 2 andere kleine Steinkreise sind in diesem Gelände angelegt.

Balnuaran of Clava - gespaltener Stein im Steinkeis um die mittlere Cairn Balnuaran of Clava - ein kleiner Steinkreis im Gelände der Anlage Balnuaran of Clava - eine der Cairns
Balnuaran of Clava - durch Steinreihen gekennzeichneter Weg zu einer der Cairns Balnuaran of Clava - Zugang zu einer der Cairns Balnuaran of Clava - durch Steinreihen gekennzeichneter Weg zu einer der Cairns
Balnuaran of Clava - einzelner Standing Stone im Komplex Balnuaran of Clava - eine der Cairns Balnuaran of Clava - die mittlere Cairn, von einem Steinkreis umgeben
Balnuaran of Clava - Zugang zu einer der Cairns Balnuaran of Clava - Stein mit Cupmarks am Zugang zu einer der Cairns

...ein wirklich beeindruckendes Zeugnis unserer Vorfahren - auch wer nicht so "verrückt" nach diesen Dingen ist, sollte sich das auf keinen Fall entgehen lassen!


Nun, gedanklich tief versunken in mein eben Erlebtes, bin ich doch tatsächlich einmal im Kreis gefahren und an der gleichen Stelle wieder gelandet (...hat das einen tieferen Sinn...?) Ich werfe nochmal einen Blick drauf und schere mich dann schleunigst auf den richtigen Weg nach Culloden - meinen Ausgangspunkt für morgen früh - wo ich auch gegen 22.30 Uhr im Regen ankomme. Das Zelt baue ich an einer Dorfstraße am Rand eines Moorfeldes auf und nehme noch ein bisschen Knäckebrot mit Leberwurst zu mir (Germany lässt grüßen) Dann schlafe ich todmüde mit dem Gesang des Windes und vieler Moorhühner ein...

Windiger Zeltplatz im Moor nahe Culloden

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